AmBiTo erhält den Nachhaltigkeitspreis 2026 Rheinhessen
- 20/01/2026
Bonn/Geisenheim Mainz-Hechtsheim, 4. Februar 2026 – Im Rahmen der AgrarWinterTage 2026 ist das Projekt AmBiTo – Anwendung eines modularen Biodiversitäts-Toolkits mit dem Nachhaltigkeitspreis 2026 Rheinhessen ausgezeichnet worden. Die feierliche Preisverleihung erfolgte zur Eröffnung der Geräteausstellung durch Andy Becht, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz. Die Laudatio hielt Katrin Knierim, Rheinhessische Weinkönigin.
Das AmBiTo Team bei der Preisverleihung, Foto Copyright: Torsten Silz
„Wir müssen im Weinbau Nachhaltigkeit praxisnah und erfolgreich umsetzen. AmBiTo verbindet Praxis und Forschung auf vorbildliche Weise“, betonte Weinkönigin Katrin Knierim. Mit der Auszeichnung würdigt die Jury ein Projekt, das Biodiversität im Weinbau wissenschaftlich fundiert und überbetrieblich wirksam umsetzt. AmBiTo ist ein Gemeinschaftsprojekt von FAIR and GREEN e. V. und der Hochschule Geisenheim University.
„Biodiversität ist keine abstrakte Zielgröße, sondern eine zentrale Grundlage für die Zukunftsfähigkeit des Weinbaus“, erklärte Dr. Keith Ulrich, Vorstandsvorsitzender von FAIR and GREEN e. V. „Vielfältige Ökosysteme machen Weinberge widerstandsfähiger, fördern natürliche Regulationsmechanismen und sichern langfristig die Produktionsgrundlagen unserer Kulturlandschaften.“ Ergänzend betonte Prof. Dr. Ilona Leyer, Professorin für Biodiversität und Ökosystemfunktionen an der Hochschule Geisenheim University und verantwortlich für die ökologische Begleitforschung, stellvertretend für alle Projektbeteiligten der Hochschule: „Ein gemeinsames Verständnis und kooperatives Gestalten von attraktiven, artenreichen Weinbaulandschaften zum Vorteil von Rebe, Mensch und Natur ist eine Investition in den zukunftsweisenden Weinbau. Die Auszeichnung wertschätzt diesen Weg, zeugt von großer Unterstützung und stärkt die Akzeptanz des Projekts.“
Aus der Praxis heraus entstanden
Die Idee zu AmBiTo entstand aus der langjährigen Beratungspraxis von FAIR and GREEN e. V. Bei Betriebsbesuchen zeigte sich immer wieder, dass viele Winzerinnen und Winzer bereit waren, mehr für Biodiversität zu tun, jedoch unsicher waren, welche Maßnahmen sinnvoll und wirksam sind.
„Auslöser war, dass Biodiversität bei FAIR’N GREEN eine große Rolle spielt, Betriebe aber oft unsicher waren, was die richtigen Maßnahmen sind“, erklärte Dr. Keith Ulrich im Rahmen der Preisverleihung. „Uns war klar: Wir müssen ein Projekt entwickeln, das genau hier ansetzt und Lösungen bietet.“
Biodiversitätsmaßnahmen in die Fläche bringen
Im Projektverlauf wurden in neun Anbaugebieten über 40 Modell- und Versuchsbetriebe intensiv begleitet. Insgesamt wurden rund 1.100 Biodiversitätsmaßnahmen umgesetzt, darunter artenreiche Einsaaten mit zertifiziertem Regiosaatgut, Pflanzungen von Sträuchern und Bäumen, Sandarien, Steinhaufen sowie ökologisch optimierte Lebenstürme.
Aus wissenschaftlicher Sicht unterstrich Prof. Dr. Ilona Leyer die Relevanz des Ansatzes: „Der Weinbau hat ein ganz großes Potenzial, Biodiversität in die Fläche zu bringen. Er kann das praxistauglich und wirtschaftlich tragfähig leisten.“ Auch aus Sicht des Projektmanagements ist genau dieser flächige Ansatz entscheidend. „Wir müssen in die Fläche gehen. Wir dürfen nicht nur in der Nische besser werden, sondern in der gesamten Weinwirtschaft“, sagte Florian Reinert, Projektmanager AmBiTo bei FAIR and GREEN e. V. „Deshalb sind praxistaugliche Biodiversitätsmaßnahmen so wichtig und wertvoll.“
Bildungswirkung über den Betrieb hinaus
Neben der praktischen Umsetzung legen die Mitarbeitenden im Projekt AmBiTo großen Wert auf Information und Transparenz. Infotafeln direkt in den Weinbergen erläutern die umgesetzten Maßnahmen und machen Biodiversität für Besucherinnen und Besucher sichtbar und verständlich. Die Jury hob insbesondere den hohen Praxisnutzen, den überbetrieblichen Mehrwert sowie die konsequente öffentliche Zugänglichkeit aller Projektergebnisse hervor. Durch Kooperationen mit Kommunen leisteten die Maßnahmen zudem einen Beitrag zur ökologischen Aufwertung der Kulturlandschaft und zur Stärkung der touristischen Attraktivität der Weinregionen.
Über AmBiTo
Im Mittelpunkt von AmBiTo steht die Entwicklung, Erprobung und Umsetzung konkreter Biodiversitätsmaßnahmen sowie der Aufbau eines digitalen, modularen Toolkits und eines umfassenden Maßnahmenhandbuchs für den Weinbau in Deutschland. In neun Anbaugebieten wurden über 40 Modell- und Versuchsbetriebe intensiv begleitet. Insgesamt wurden rund 1.100 Biodiversitätsmaßnahmen umgesetzt, darunter Pflanzungen von Sträuchern und Bäumen, die Anlage von Sandarien und Steinhaufen sowie die Installation ökologisch optimierter Lebenstürme. Darüber hinaus wurden artenreiche Einsaaten mit zertifiziertem Regiosaatgut auf mehr als 43 Hektar in über 30 Weinbaubetrieben durchgeführt und weiterentwickelt.
Das Projekt AmBiTo wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert.
Über FAIR and GREEN e.V.
FAIR and GREEN e.V. ist ein unabhängiger Verein, der das Siegel für ganzheitliche Nachhaltigkeit FAIR’N GREEN entwickelt hat und seit 2013 an geprüfte zertifizierte Weinbaubetriebe vergibt. Mittlerweile zählt der Fair and Green e.V. fast 200 Mitglieder in 11 Ländern.
Fair and Green e.V.
Graurheindorfer Straße 92
53117 Bonn
www.fairandgreen.com
Über HGU
Die Hochschule Geisenheim University (HGU) vermittelt grundlegende und anwendungsorientierte Lehre und Forschung und bildet wissenschaftlichen Nachwuchs heran. Sie fördert die Erschließung wissenschaftlicher Erkenntnisse für die Praxis, insbesondere durch Beratung. Der Fokus liegt im Bereich der Spezialkulturen im Wein- und Gartenbau und deren vielfältigen Produktions- und Verarbeitungsbereichen sowie in den Planungs- und Gestaltungsbereichen der Landschaftsarchitektur, des Landschaftsbaus und des Naturschutzes.
Hochschule Geisenheim University (HGU)
Von-Lade-Straße 1
65366 Geisenheim
www.hs-geisenheim.de
Wissen teilen, Wirkung vervielfachen
Ein zentrales Anliegen von AmBiTo ist der überbetriebliche Nutzen. Statt isolierter Insellösungen setzt das Projekt auf offenen Wissenstransfer. Über 40 Factsheets und 20 detaillierte Anleitungen zeigen, welche Maßnahmen unter welchen Standortbedingungen sinnvoll sind.
Gerade dieser offene Ansatz wurde von der Jury besonders hervorgehoben: Die Ergebnisse stehen nicht nur einzelnen Betrieben zur Verfügung, sondern leisten einen Beitrag zur ökologischen Aufwertung ganzer Weinlandschaften, oft in Zusammenarbeit mit Kommunen und mit positiver Wirkung auf Landschaftsbild und Tourismus.
Ein Signal für die Zukunft des Weinbaus
Die Auszeichnung mit dem Nachhaltigkeitspreis Rheinhessen ist mehr als eine Anerkennung für ein einzelnes Projekt. Sie ist ein klares Signal dafür, dass Biodiversität im Weinbau kein „Zusatzthema“ ist, sondern ein entscheidender Faktor für Resilienz, Akzeptanz und Zukunftsfähigkeit der Branche.
AmBiTo zeigt: Biodiversitätsförderung ist messbar, umsetzbar und wirtschaftlich integrierbar – wenn Praxis, Wissenschaft und Verbände gemeinsam handeln.
Das Projekt AmBiTo wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert. Alle Projektergebnisse, Werkzeuge und Informationen finden Sie kostenfrei unter www.ambito.eco.
Pressemitteilung zum Download:
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