Feldtag beim Weingut Dreissigacker – Pflanzenkohle im Fokus
Am 23. Juli 2025 fand im Rahmen des Modell- und Demonstrationsvorhabens „MuD CarboVino“ der erste Feldtag beim Weingut Dreissigacker in Rheinhessen statt – ein gelungener Auftakt mit spannenden Einblicken in die Praxis des Weinbaus der Zukunft.
Rund 35 Personen nahmen an diesem Informationstag teil. Auch Betriebe aus der Region, die keine Modellbetriebe sind, kamen zum Weingut Dreissigacker, um die ersten Erfahrungsberichte und fachlichen Input zu erhalten. Im Zentrum stand dabei ein vielversprechender Ansatz zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit und des Klimaschutzes: der Einsatz von Pflanzenkohle.
Bei einem Rundgang über die Projektflächen berichtete der Betriebsleiter des Weinguts Dreissigacker von seinen ersten Erfahrungen mit der Ausbringung von Pflanzenkohle – in Kombination mit Komposttee. Diese neuartige Kombination stellt eine vielversprechende Maßnahme dar, um die Humusbildung im Weinberg gezielt zu fördern und gleichzeitig Kohlenstoff langfristig im Boden zu binden. Die ersten Schritte verliefen nicht ohne Herausforderungen, doch gerade diese praxisnahen Einblicke machten den Austausch für die rund 35 anwesenden Gäste besonders wertvoll.
Für zusätzlichen fachlichen Input sorgte Ron Richter von @klimafarmer, ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Pflanzenkohle. In seinem Vortrag zeigte er auf, welches Potenzial Pflanzenkohle im landwirtschaftlichen Kontext birgt – insbesondere im Hinblick auf den Klimaschutz. Denn durch ihre hohe Stabilität kann Pflanzenkohle über Jahrzehnte bis Jahrhunderte Kohlenstoff im Boden speichern und so aktiv zur Reduzierung von CO₂ in der Atmosphäre beitragen. Dass dies nicht nur Theorie ist, sondern bereits in der Praxis funktioniert, wurde durch zahlreiche Beispiele aus anderen Weinbauregionen deutlich.
Auch das Julius-Kühn-Institut und das Thünen-Institut waren vor Ort und gaben einen Ausblick auf ihre geplanten Forschungsarbeiten im Rahmen des Projekts. Beide Institute begleiten CarboVino wissenschaftlich und untersuchen, wie sich humusaufbauende Maßnahmen wie die Anwendung von Pflanzenkohle langfristig auf Bodengesundheit und Klimawirkung auswirken.
Der Feldtag war nicht nur eine Plattform für Informationen, sondern auch für Austausch: Fragen, Ideen und Erfahrungsberichte wurden rege diskutiert. Neue Perspektiven für die betriebliche Praxis nahmen viele Teilnehmende mit nach Hause. Abgerundet wurde der Tag mit einer Besichtigung der modernen Kellerei des Weinguts – ein stimmungsvoller Abschluss eines gelungenen Tages.
Das Projekt MuD CarboVino ist ein gemeinsames Vorhaben von @fair_and_green, Demeter, Bioland und Naturland. Gefördert durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), verfolgt das Projekt das Ziel, Best-Practice-Beispiele für den Humusaufbau und die Kohlenstoffspeicherung in Weinbergsböden zu entwickeln, anzuwenden und zu dokumentieren – in den drei Modellregionen Mosel, Pfalz/Rheinhessen/Nahe und Baden/Württemberg. Bereits im März hatte das Projekt Fahrt aufgenommen: In Baden-Württemberg wurden in den Weinbergen unserer Projektpartner Weingut Warth, Weingut Frank Schmidt und Weingut Blankenhorn, dazu noch Winzerhof Gierer, Seehaldenhof, Wilhelms Obst- und Weinbau, Weingut Eißele erste Bodenproben entnommen. An der Mosel arbeiten wir mit den Modellbetrieben von Othegraven, Gut Hermannsberg, Hahn, Haart, Reverchon, Kirsten Liebieg und Heinrichshof zusammen, in Rheinhessen mit den Weingütern Dreissigacker, Hauer, Zelt, Gebert, Paulinenhof, Emil Bauer und Peitz. Ziel ist es, über mehrere Jahre hinweg die Wirkung humusaufbauender Maßnahmen wissenschaftlich zu begleiten. Dabei werden jeweils zwei Flächen verglichen: eine, auf der eine Maßnahme durchgeführt wird, und eine Kontrollfläche mit herkömmlicher Bewirtschaftung. Im Fokus stehen dabei insbesondere Veränderungen im Kohlenstoffgehalt des Bodens.
Ein herzliches Dankeschön an alle, die zum erfolgreichen Auftakt des Projekts beigetragen haben. Wir freuen uns auf viele weitere Erkenntnisse, Praxisbeispiele und vor allem: lebendige Böden im Zeichen des Klimaschutzes!
Das Projekt "MuD CarboVino"